Wie richten wir uns in Zukunft ein, Timur Yumusaklar?

Er findet Wände streichen super, glaubt an die Renaissance der Tür und ist Ingenieur an der Spitze von F. Schumacher & Co, einem New Yorker Interior Design Unternehmen mit großer Tradition: unser heutiger Gast Timur Yumusaklar.

Olli weilt im Urlaub, und Timur und Felix treffen sich im Podcast-Studio des New Yorker Workspace NeueHouse zu einem seltenen in-Person-Podcast.

Timur wächst in der Nähe von Konstanz auf, seine deutsch-türkischen Eltern lieben Kunst und er ist von Kindesbeinen an mit Farben und Malerei umgeben. Design gehört zu seinem Leben – und dass, obwohl er farbenblind ist. Ein vermeintlicher Nachteil, der ihm heute als CEO hilft, sich auf das Wachstum der Firma und die Mitarbeiter:innen zu konzentrieren: “Ich werde mich nie in Design-Entscheidungen einmischen.”

Mit Hilfe seines ersten Jobs bei einer Unternehmensberatung macht Timur den Sprung in die USA – als Business-Masterstudent an der Columbia Universität in New York. “Von den großen Namen dieser und anderer Unis in den USA würde ich mich nicht abschrecken lassen”, sagt er. “Man hat dort auch als Student aus Europa gute Chancen.” Danach landet er wieder in Deutschland und bei Zalando, das gerade vom Online-Schuhverkäufer zu einer gigantischen Shopping-Plattform heranwächst. Er lernt dort die flachen Hierarchien und die Selbstverantwortung eines Startups zu schätzen – etwas, das er in seiner amerikanischen Arbeitswelt manchmal vermisst: “Hier sind die Leute oft überrascht, wenn ich ihnen Verantwortung übertrage.”

Ein Studienfreund meldet sich schließlich bei ihm: F. Schumacher & Co, ein Familienunternehmen, gegründet von französischen Immigranten in New York, das mit Tapeten, Stoffen, Bezügen und Einrichtung aller Art handelt und über Mick Jagger bis hin zu Jackie Kennedy’s Weißem Haus viele Stars ausstaffiert, habe Probleme. Es fehlt ein CEO, der die Firma in die neue, digitale Zeit mitnehmen kann. Ob er sich vorstellen könnte, die Rolle zu übernehmen? Timur trifft beim Vorstellungsgespräch in einem New Yorker Privatclub – “da kommt man nur mit Anzug rein” - zwei Mitglieder der Gründerfamilie. Wenig später ist klar: er wird CEO.

Seit 2015 führt er das Unternehmen zu neuen Höhen. In der Pandemie explodiert der Bedarf an Inneneinrichtung regelrecht. “Unsere Wohnungen waren nicht mehr darauf ausgerichtet, dass wir viel zuhause sind. Die Küche ist offen, geht ins Wohnzimmer über, es gibt kaum noch Türen. Nun werden sich unsere Häuser fundamental verändern. Wir investieren alle viel mehr ins Zuhause, zum Beispiel in Türen, in Tapeten und in gute Arbeitsumgebungen.” Inzwischen hat die Firma über 800 Mitarbeiter, mehr als doppelt so viele wie zu Timurs Start – und expandiert gerade nach Europa, auch nach Deutschland. “Die Website gibt’s schon, ist von Google Translate übersetzt.”

Timur betont zwar, er sei kein Einrichtungsexperte, aber einen Tipp hat er doch: “Streichen ist ein relativ kleines Commitment. Das kostet nicht viel und man kann sich richtig ausleben, auch Farbe einfach mal an die Wand werfen.” Er legt selbst gerade Hand ans Apartment in Manhattan, das er mit seiner Partnerin bewohnt. “Ich habe den Kamin angestrichen, eine Stunde lang, in Eierschalen-Weiß.” Dann kam der prüfende Schritt zurück und die Einsicht. “Ich wusste, ich lasse das jetzt eine Stunde trocknen, dann kommt eine andere Farbe drauf.” Timurs größte Einrichtungssünde: ein Sofa, dass toll aussah, aber in keine Wohnungen passt und jetzt im Lager steht. “Nie ein Sofa wegen des Möbels kaufen, sondern immer für den Raum, in dem es stehen soll.”

Die Zukunft seiner Branche sieht er auch im dreidimensionalen Internet, dem web3 oder Metaverse. Gerade erst hat er mit seinem Team eine Happy Hour mit Oculus-Brillen veranstaltet. “Mit solchen Technologien werden wir uns in Zukunft einrichten. Videospiele sind letztlich auch Inneinrichtungs-Erlebnisse. Und im Web3 ist alles möglich, zum Beispiel Tapeten, die sich ändern, wenn man an ihnen vorbeiläuft.”

Welche Tipps Timur für den richtigen Zoom-Hintergrund hat, warum er sich absichtlich mehrere Wochen Urlaub am Stück nimmt und was er über den amerikanische Stilmix beim Einrichten denkt – all das und mehr gibt’s in der 54. Folge von Wunderbar Together.

 

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